»Haben Sie schon die Ringe von den Schwämmen auf dem Boden gesehn?…«

„…lange Linien, krumme Kreise, Figuren, da steckt’s! da! Wer das lesen könnte.“ So erschauderd der Soldat Franz Woyzeck in der ersten Fassung des Dramas von Georg Büchner. Um geheimnisvolle Kreise geht es auch im zweiten Bild des Sacre du Printemps, das in der Nacht spielt. Mir erschien das Büchner-Zitat auch immer schon passend, wenn es … Mehr »Haben Sie schon die Ringe von den Schwämmen auf dem Boden gesehn?…«

Das Krabbeln, Nagen, Taumeln von Vögeln und Tieren…

…solle das Vorspiel zum Sacre darstellen, das Erwachen der Natur im Frühling – so Igor Strawinsky in den Gesprächen mit seinem Faktotum Robert Craft. Ich muss gestehen, solche Bilder stellten sich bei mir nicht ein. Ich dachte beim Hören immer mehr an aufsprießende Pflanzen und einbrechendes Frühlingswetter als an die Fauna. Das Erlebnis eines mächtigen … Mehr Das Krabbeln, Nagen, Taumeln von Vögeln und Tieren…

»Also wenn das Musik ist…«

…soll der Komponist Camille Saint-Saëns bei der Premiere von Strawinskys Sacre du Printemps bereits nach einigen Takten ausgerufen haben, „dann bin ich ein Pavian!“. In einer anderen Version dieser Anekdote soll der betagte und mit allen kompositorischen Wassern gewaschene Saint-Saëns allerdings gefragt haben, ob das Instrument am Anfang ein Fagott sei und habe dann schon … Mehr »Also wenn das Musik ist…«

»Schlingernd wie Blätterhaufen im Wind…«

»…und stampfend, als ob sie brennendes Gras löschen wollen.« So sollen sich die Tänzer*innen laut Strawinsky im abschließenden Tanz des ersten Bildes des Sacre du printemps bewegen. Etwa „Austanzen“ könnte man den ursprünglich geplanten russischen Titel dieses ungebändigten Kreisens übersetzen, daraus wurde endgültig die „Danse de la terre„. Auf die Harmonik dieses delirierenden ersten Finales … Mehr »Schlingernd wie Blätterhaufen im Wind…«

»Die ganze Sache muss von Anfang bis Ende im Tanz ausgedrückt werden…«

»…kein Takt pantomimische Darstellung.« Nun, bis auf genau vier Takte – doch dazu mehr am Ende des heutigen Blogbeitrags. Zahlreiche Zitate von Igor Strawinsky belegen, dass er ziemlich genaue und auch strenge Vorstellungen zur Choreographie seines Sacre du Printemps hatte. Zwar war seine Absicht denkbar weit von einem Handlungsballett entfernt (davon zeugt unter anderem das … Mehr »Die ganze Sache muss von Anfang bis Ende im Tanz ausgedrückt werden…«

Ein Frühlingsreigen muss keine heitere Angelegenheit sein…

…das zeigen uns die „Rondes printanières“ aus Strawinskys Sacre. So sahen andere zeitgenössische Künstler den Tanz in den Mai, hier der Wiener Secessions-Maler Maximilian Lenz (Lenz!), laut Wikipedia tatsächlich zeitgleich im Jahre 1913: Gegensätzlicher könnten die Bilder kaum sein, die einem zum Sacre in den Kopf kommen. Dort wird zum Rundtanz das erste Mal seit … Mehr Ein Frühlingsreigen muss keine heitere Angelegenheit sein…

Entführung?!? Sie wollen doch nur spielen…

…aber leider wissen wir schon, dass es am Ende für die Primaballerina schlecht ausgehen wird, opfert sie sich doch dem Frühling. Jeu du rapt – „Entführungsspiel“ – heißt der zweite getanzte Abschnitt des Sacre du printemps (Ziffer 37–47). In der dafür gewidmeten Sitzung des Werkanalyse-Seminars analysierten meine Studierenden und ich vornehmlich Rhythmus und Form. Bisher … Mehr Entführung?!? Sie wollen doch nur spielen…

Dass man sich in musikalische Analyse wie ein Windhund verbeißen kann…

…erwähnte ich bereits an ganz anderer Stelle. Und ich finde es geradezu beruhigend, dass dies nicht nur mir so gehen kann, sondern auch den Studierenden. So jedenfalls passiert in der letzten Seminarsitzung zum Sacre. War der Plan eigentlich gewesen, mit der Analyse des zweiten getanzten Abschnittes des Balletts, Jeu du rapt, fortzufahren, kam es anders. … Mehr Dass man sich in musikalische Analyse wie ein Windhund verbeißen kann…

Ein Frühjahrsputz war im heidnischen Russland eine Sache auf Leben und Tod…

…wenn man der Handlung des Balletts von Igor Strawinsky nach dem Libretto des Künstlers, Theosophen und selbsternannten Altertumsforschers Nicholas Roerich glauben möchte. „Bilder aus dem heidnischen Russland“ lautet der Untertitel des Sacre du printemps. Ich jedenfalls gönne mir, wie im letzten Blogbeitrag erwähnt, zur schönsten Jahreszeit kein Online-Shopping-Erlebnis sondern ein corona-konformes Online-Seminar zum Frühlingsopfer. Da … Mehr Ein Frühjahrsputz war im heidnischen Russland eine Sache auf Leben und Tod…

Ein One-Hit-Wonder war Igor Strawinsky beileibe nicht…

…aber mit einem Werk wird man ihn wohl immer am Stärksten verbinden: Dem Sacre du printemps, zu deutsch: Das Frühlingsopfer oder Die Frühlingsweihe, englisch The Rite of Spring (Strawinsky hätte The Coronation of Spring bevorzugt) und russisch Весна священная (Vesna svjaščennaja) – in jeder Sprache und Version hat der Titel einen leicht, aber dennoch deutlich … Mehr Ein One-Hit-Wonder war Igor Strawinsky beileibe nicht…